Klangbeispiel

Rondo über Luther-Lieder von Christoph Brückner gespielt von Ansgar Pöhler hier

Veranstaltungen

Die Weimbs-Orgel in St. Rochus

 

Die Weimbs-Orgel der Duisdorfer St. Rochus-Kirche bereichert die Bonner Orgelland­schaft um ein bedeutendes Werk. Das Instrument – in der Rhein-Maas-Ländischen-Orgelbautradition stehend - eignet sich sowohl für die Darstellung der klassischen als auch der modernen Orgelliteratur, wobei seine klanglichen Vorzüge insbesondere der deutschen und der französischen Orgelro­mantik entgegenkommen. 

Die Orgel steht mittig auf der Empore, frei und offen, wie auf einer grossen Handfläche, die eine Klangabstrahlung zu allen Seiten ermöglicht.
Ihre Gehäusegestaltung steht im Dialog mit dem neoromanischen Kirchenraum. Der Prospekt ist streng symmetrisch gegliedert, die Labien der Prospektpfeifen verlaufen waagerecht, ent­sprechend der Oberkante der Emporenbrüstung. Die Aufteilung der verschiedenen Orgelwer­ke wird von innen nach aussen erkennbar. Der mittlere Gehäuseteil beinhaltet die drei Manu­alwerke, umgeben von dem rechts uns links angeordneten Pedalwerk.
Das massive Eichenholzgehäuse wurde geölt und gibt seine natürliche Holzmaserung wider. Versilberte Kugeln bilden in ihrer modernen Ornamentik den oberen Gehäuseabschluss und tauchen, im Zusammenspiel mit dem wechselnden Tageslicht, das Instrument in zurückhal­tender Eleganz in eine atmosphärische Farbigkeit.
Die Orgel verfügt über 36 Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal. Das Konzept dieses Instrumentes beinhaltet eine zweimanualige klassische Orgel (Hauptwerk und Echowerk), ein romantisches Schwellwerk und ein mächtiges Pedalwerk- als neutrales Fundament.

 

Hauptwerk

 

Die Disposition des Hauptwerkes auf 8’-Basis besitzt neben einem lückenlosen Principalchor vom 8’ bis zum 2’ ein Register der Streicherfamilie, zwei Flöten in 8’- und 4’- Lage und einen Bordun 16’ aus Holz und Metall, der dem Werk Gravität verleiht. Quinte 2 2/3’ und Terz 1 3/5’ bilden zusammen mit Principal 8’, Oktave 4’ und Oktave 2’ ein prinzipalisches Cornet décomposé und ermöglichen das Wechselspiel mit dem überblasenden Cornet décom­posé des Schwellwerkes. Mixtur V 2’ und Trompete 8’ verleihen dem Werk Brillianz.

 

Schwellwerk

 

Das Schwellwerk beinhaltet die romantischen Register. Diese stehen in einem geschlossenen Gehäuse, dessen vordere, in den Kirchenraum gerichtete, Jalousien während des Orgelspiels stufenlos geöffnet und geschlossen werden können. Dadurch wird der austretende Klang vom Pianissimo bis zum Fortissimo regelbar. Mit dem streichenden Geigenprincipal 8’ und zahl­reichen weiteren 8’-Stimmen (jeux de fonds) besitzt das Schwellwerk, neben einer tiefliegen­den Mixtur (Progressio II-IV), drei überblasende Register in 2 2/3’-, 2’- und 1 3/5’- Länge. Als Soloregister dient hier die Doppelflöte 8’, deren Doppellabium einen hochromantischen, nahezu sphärischen Klang erzeugt. Trompete 8’ und Klarine 4’ geben dem Werk Kraft, die Register Fagott 16’ und Oboe 8’ legen zusammen mit den jeux de fonds den Klangteppich für romantische Literatur und entfalten ihre Wirkung insbesondere beim Öffnen und Schliessen des Schwellers.
Als Besonderheit sei hier die Subkoppel erwähnt, welche die untere Oktave der gezogenen Register mitspielen lässt, wobei beispielsweise das Fagott 16’ gleichzeitig in der 32’-Lage er­klingt. Diese Wirkung wird auch in gekoppeltem Zustand auf das Hauptwerk übertragen.

 

Echowerk

 

Das Echowerk enthält als kleinstes Manualwerk ein jeux de fonds-ensemble, bestehend aus den drei 8’- Stimmen. Oktave 4’ als Grundlage und Querflöte 4’ und Flageolet 2“ – als über­blasende Register – vervollständigen den Gesamtklang. Sämtliche Register dieses Werkes stammen aus der früheren Orgel des Orgelbauers Schorn und passen sich hervorragend in die Klangcharakteristik der neuen Stimmen ein.
Das Register Salicional 8’ ist tiefer gestimmt, sodass im Zusammenklang mit einer der beiden weiteren 8’-Stimmen eine aparte Schwebung entsteht, die, im Gegensatz zu der höherliegen­den Schwebung Vox coelestis 8’ des Schwellwerkes, einen leicht melancholischen Klangcha­rakter besitzt.
Das Echowerk befindet sich ebenfalls in einem schwellbaren Gehäuse. Durch dieses zweite schwellbare Werk werden die klanglichen Möglichkeiten der Orgel im Bereich der romanti­schen Literatur und vor allem der Improvisation enorm erweitert.

 

Pedal

Das Pedal ist ganz auf einen fundamentalen Klang hin ausgerichtet. 

Violon 16’, in voller Länge, Subbass 16’ und die beiden 8’ – und 4’- Flöten bilden ein solides, in der Wirkung abstufbares Fundament. Bennophon 16’ und Trompete 8’ ergänzen das Zun­genensemble der Manuale in der Basslage.

 

Windversorgung:

 

Die Orgel arbeitet mit „freiem Wind“. Dieser wird über einen Magazinbalg, mehrere Doppel­faltenbälge, Kanäle und Kondukten in die Windladen geblasen. Das Instrument entwickelt, durch diese sogenannte zentrale Windversorgung, einen monumentalen Raumklang. Der Zu­hörer empfindet den Orgelklang als voluminös und weich. Die Transparenz bleibt erhalten, die Einzelregister heben sich bei homophonem Spiel wohltuend im Bereich der melodiebe­wegten Passagen von den begleitenden Harmonien ab. Davon profitieren insbesondere die tonmalerischen Register der Flötenfamilie und der Streicher. Der „atmende Wind“ verhindert, dass die immensen Klangkräfte mit explosiver Stärke entladen werden.

Die neue Weimbs-Orgel – wie alle Instrumente des Hauses in kunsthandwerklicher Manier gebaut – gibt Zeugnis von der hohen Qualität der ausgewählten Materialien, der hervorragen­den Ausführung und der Passion aller Mitwirkenden für ihr Schaffen. 

 

Werner Witzenhausen